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Verkehrspsychologie - Praxis und Wissenschaft mit Profil

Rede der BDP-Präsidentin Gertraud Richardt auf dem Verkehrspsychologiekongress

   1. Moderne Wissenschaft - Verwissenschaftlichung von Praxis
   2. Programmpunkte der wissenschaftlichen Verkehrspsychologie
   3. Profil der Verkehrspsychologie
   4. Visionen
   5. Verkehrspsychologie bewegt Zukunft

I. MODERNE WISSENSCHAFT - VERWISSENSCHAFTLICHUNG VON PRAXIS

In "Mann ohne Eigenschaften" beschreibt Robert Musil den idealen Wissenschaftler wie folgt:

Es ist gar nicht richtig, dass der Forscher der Wahrheit nachstellt, sie stellt ihm nach. Er erleidet sie. Das Wahre ist wahr und die Tatsache ist wirklich, ohne sich um ihn zu kümmern. Er hat bloß die Leidenschaft dafür, die Trunksucht am Tatsächlichen, die seinen Charakter zeichnet und schert sich den Teufel darum, ob ein Ganzes, Menschliches, Vollkommenes oder was überhaupt aus seinen Feststellungen wird.

"Wissenschaft macht es der Praxis leicht, sie als Fundgrube zu nutzen. Psychologische Grundlagenforschung bildet - gerade wo sie Ihre schönsten Erfolge erzielt - einen eigenen Lebensbereich; sie lädt zum Besuch ein, aber nur wenige zum verweilen. Sie hat sich nicht unentbehrlich gemacht", stellt Wolfgang Schönpflug (1999) fest.

Psychologie hat als Kunstfertigkeit eine lange und eigene Geschichte.

Psychognosis- Menschenkenntnis und Psychagogik- Menschenführung beriefen sich wie andere Künste auf Intuition,Erfahrung und Empathie. Sie rechtfertigten sich am liebsten durch spektakuläre Einzelfälle. Mit der wissenschaftlichen Begründung war es nicht weit her.

Was wusste man über die statistische Erfolgsbilanz? Welche rationalen Erklärungen gab es für psychologische Urteile und Maßnahmen?

Als Psychologie Grundlage für einen modernen Dienstleistungsberuf werden sollte, wollte man diesen Zustand durch Verwissenschaftlichung von Praxis überwinden. Das bedeutete:

  • Wissenschaftliche Theorien sollten die Gültigkeit psychologischer Urteile und die Wirksamkeit psychologischer Verfahren erklären
  • Fortschritte der Grundlagenforschung sollten zu einer stetigen Verbesserung psychologischer Urteile und Verfahren führen
  • Wissenschaftliche Objektivität sollte eine gleich bleibende Qualität psychologischer Praxis gewährleisten
  • Statistische Kennwerte aus repräsentativen Stichproben die Effizienz psychologischer Praxis nachweisen.

Fortschritt heißt in diesem Zusammenhang Standardisierung.

In der modernen, beruflich betriebenen Psychologie stützt sich Praxis auf wissenschaftliche Methoden und Theorien. Im englischen Sprachraum spricht man in diesem Zusammenhang vom scientist-practitioner.

Die Psychodiagnostik mit einer Flut von standardisierten, reliabilitätskontrollierten, validitätsbestimmten und hinsichtlich ihrer Ergebnisse normierten Tests, war der Stolz der sich wissenschaftlich etablierenden praktischen Psychologie. Später folgten ebenso wissenschaftlich geprüfte Interventionsverfahren.

Praktische Psychologie hat das Zählen, Messen und Rechnen zu ihrem Paradestück gemacht. Wissenschaft ist mit Rationalität, Verbalität und Mathematik in die psychologische Praxis eingezogen.

Lisa Hoshmand und Donald Polkinghorne (1992) haben dieses Einheitsdenken mit den folgenden Thesen verworfen:

  • Es gibt keine generalisierbaren Theorien und Methoden
  • Adaptive Methoden und Theorien hat die explizit formulierte Wissenschaft nicht.
  • Praxis muss am jeweiligen Fall entwickelt werden.

Verlangt ist Sensibilität, Erfahrung und Kommunikation. Wissenschaft kann dann nachträgliche Reflexion, Rekonstruktion leisten

Diane Berry und Donald Broadbent (1984) haben eine interessante Studie veröffentlicht, die eine Brücke zwischen Theorie und Praxis schlägt. Sie haben festgestellt, dass eine Dissoziation zwischen sprachlich gefasstem Wissen und Handlungsfähigkeit besteht (Übung, Erklärung). Jedes hat seine Bedeutung. Die explizit operierende wissenschaftliche Psychologie findet allerdings oft keinen Zugang zur impliziten Expertise der Berufspraktiker. So fällt es dem Praktiker oft schwer seine Psychologie zu beschreiben und z.B. zu erklären, wie seine unorthodoxe Testroutine zustande kommt und sein Vertrauen auf die im Beruf gereifte Urteilsbildung begründet ist.

Gerade im Bereich der Verkehrspsychologie ist die Betrachtung und Kenntnis der Beziehung der normativer Praxis, theoretischer Aussagen und auf der anderen Seite der Wissenschaft Psychologie von hoher Relevanz für die weitere Etablierung verkehrspsychologischer Dienstleistungen.

II. Programmpunkte der wissenschaftlichen Verkehrspsychologie

Verkehr ist das Insgesamt aller Fortbewegungen innerhalb eines Zeitraumes in einem Gebiet, folgt man Kruse und Graumann (seit 1978). Unser Bewegungsverhalten hat sich in den letzten 50 Jahren wie wir alle wissen entscheidend gewandelt.

Sind wir heute nun mobiler oder immobiler?

Diese Frage ist verallgemeinernd nicht zu beantworten. Wir müssen in diesem Kontext u.a. Zielgruppen, Verkehrsmittel und Umweltgegebenheiten betrachten.

Unsere sogenannte mobile Gesellschaft ist für verschiedenste gesellschaftliche Gruppen sinnstiftend. Sie ist aber fragil und leicht und erheblich durch Umweltbedingungen, technische Schwächen(siehe Unwetterkatastrophen, Eschede) aber auch soziale und psychische Faktoren (siehe Überlingen) zu beeinträchtigen.

Verkehrspsychologie kennt die Bedingungsfaktoren für erfolgreiche risikoarme Fortbewegungen. Eine Fülle von Untersuchungen aus allen Verkehrsräumen stehen zu diesem Thema zur Verfügung. Ich verweise hier auch auf die AG 7 des Kongresses.

Hat es nun aber eine grundlegende Entdeckung der modernen wissenschaftlichen Psychologie gegeben, welche die Praxis nachhaltig verändert hat? Das jedenfalls verlangt die positivistische Wissenschaftsauffassung.

Wir sind zufrieden, wenn psychologische Theorien praktisch bedeutsame Vorgänge ausdrücklich und schlüssig beschreiben. Wird dadurch die Praxis erfolgreicher?

Die oben genannten 4 Programmpunkte der Verwissenschaftlichung der Praktischen hier Verkehrspsychologie geben dazu Antworten:

Erster Programmpunkt:
Wissenschaftliche Theorien sollen die Gültigkeit psychologischer Urteile erklären und die Wirksamkeit psychologischer Verfahren

Ich mache mich nicht auf, alle relevanten Theorien an dieser Stelle zu nennen oder gar zu diskutieren.
Regelkreismodelle, Aggressionstheorien, Risikohomöostase, Immitationslernen, vergleichende Verhaltensforschung, Theorien zur Motivation, zur Informationsverarbeitung, zur Vigilanz um nur einige wissenschaftliche Theorien zu nennen, stehen unserem Fach zur Verfügung.

Ein wegweisendes Forschungsergebnis unseres Kollegen Albert Bandura möchte ich aber doch focusieren.

Als er seine wegweisenden Ergebnisse zum Imitationslernen veröffentlichte, hatten schon Heerscharen Anerkennung, positive Verstärkung durch Modelle erlebt und hatten sich dadurch selbst verstärkt. Warum das so funktionierte, wusste vor der Untersuchung von Bandura niemand so recht zu begründen. Die explizit kognitive Theorie des Imitationslernens hat dann erreicht, dass man besser verstand, was da passierte und der gezielte Einsatz des Verfahrens wurde Praxis.

Vorurteilsforschung, Forschungsergebnisse zum Rollenverhalten zur Gewohnheitsbildung, Konstrukte zum Aggressions- und Konfliktverhalten sind geeignet, Verkehrsverhalten zu erklären und zu verstehen (Wilfried Echterhoff 1992). Anforderungsprofile im psychophysischen Leistungsbereich definieren Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits-, Reaktions- und Orientierungsaufgaben.

Zweiter Programmpunkt:
Fortschritte der Grundlagenforschung sollen zu einer stetigen Verbesserung psychologischer Urteile und Verfahren führen

Jede Psychologin hat sich im Studium mit Grundlagenforschung befassen müssen, ob es gefiel oder nicht. Hinzu kommt als Grundlage unserer Ausbildung eine solide Methodenlehre.

Elemente der Allgemeinen Psychologie - Lernen, Gedächtnis, Motivation, Denken, Einstellung, Wahrnehmung, Konzentration und Forschungsergebnisse der Sozialpsychologie und der Klinischen Psychologie - sind Fundamente unserer Fachlichkeit.

Für die Verkehrspsychologie ist insbesondere auch die Erkenntnis, dass Systeme wie der Mensch aus einer Vielzahl unterschiedlicher Subsysteme besteht bedeutsam. Menschen unterscheiden sich in der Komplexität und der Vernetzung mit einer Vielzahl von Subsystemen (Theo Herrmann1994). Die einfache Feststellung ist hier "Der Mensch hat ein kompliziertes Seelenleben" (noch einmal Theo Herrmann).
Mit dieser Komplexität und der Dynamik wird die Wissenschaft der Psychologie zum Teil mit erheblichem Erfolg in ähnlicher Weise fertig, wie andere Erfahrungswissenschaften mit hochkomplexen Gegenständen.
Zur psychologischen Grundlagenforschung gehören Experimente mit sinnlosen Silben. Sie erinnern sich sicher daran.

Welche praktische Relevanz haben Forschungsergebnisse, die das Lernen sinnloser Silben unter Wasser und am Land erforschen? Diese Frage hat Prof. Köhnken den Teilnehmern des Landes-Psychologentages Schleswig-Holstein gestellt.

Die Teilnehmer waren etwas ratlos.

Sie wissen es?

Nun es liegt auf der Hand. Die Erkenntnis, dass in jeweils vertrauter Umgebung, nämlich da wo die sinnlosen Silben gelernt wurden, am besten memoriert wird, hat die Praxis der Zeugenbefragung verändert und damit die Qualität der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen erhöht.

Das ist eine Verbesserung der Praxis!!

Nobelpreisverdächtige Forschungsergebnisse sind mir in unserem Fach nicht bekannt. Vielmehr wird viel geforscht und wenig davon vermarktet, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Verbesserung der psychologischen Urteile und Verfahren kommen in unserem Fachgebiet schwerpunktmäßig aus der Angewandten Psychologie. Die Tatsche, dass es seit 1994 in Dresden einen Lehrstuhl für Verkehrspsychologie gibt hat daran nichts Wesentliches verändert.

Dritter Programmpunkt:
Wissenschaftliche Objektivität soll eine gleich bleibende Qualität psychologischer Praxis gewährleisten

Faktor Psychologe:

Verkehrspsychologinnen sind fundiert wissenschaftlich ausgebildet. Der Titel Psycholog/in ist geschützt. Wir üben einen sogenannten freien Beruf aus und sind damit unserer Wissenschaft verpflichtet, erst dann und im Einzelfall externen Parametern.

Wir haben lebenslange Fortbildungspflicht und -bereitschaft. Wir folgen berufsethischen Verpflichtungen und erkennen eine Ehrengerichtsordnung an. Das sind die Standards unserer verkehrspsychologischen Tätigkeit, Qualitätsmerkmale unserer Tätigkeit.

Sogenannten Küchenpsychologen, die mit dem sicheren Willen Geld zu verdienen, die mit einer hohen Heilsüberzeugung ihre Schäfchen schären, sind beforschbar, haben aber mit Qualität und Wissenschaft nichts zu tun auch nichts mit gleichbleibender Praxis.

Die Instrumente:

Verkehrspsychologische Verfahren folgen wissenschaftlichen Theorien und Methoden. Untersuchungsdesigns sind standardisiert und genügen regelmäßig Gütekriterien und gewährleisten Objektivität und Praxisverbesserung durch Wirksamkeitsuntersuchungen.

Mit der DIN 334033 für Einstellungsuntersuchungen ist wesentlich der Prozess, nicht spezielle Verfahren der Personalauswahl normiert worden, ohne natürlich die Anforderungen, die an ein wissenschaftliches Verfahren gestellt werden müssen, aufzugeben

Mit ISO-Normen ist die Tätigkeit des Psychologischen Gutachters im Fahrerlaubniswesen akkreditiert.

Die Leitlinie für die Tätigkeit des Diagnostikers im Bereich Fahrerlaubniswesen sind die Begutachtungsleitlinien "Kraftfahrereignung". Eine interdisziplinäre Kommission hat diese Leitlinien erarbeitet. Sie sind Grundlage der psychologischen und ärztlichen Begutachtungspraxis in Deutschland (2000). Auch in diesen Leitlinien sind Anforderungen an die Qualität der Begutachtung und an den Prozess der Begutachtung formuliert ohne spezielle Untersuchungsverfahren festzulegen. Hypothesen und Kriterien, die für die Beurteilung von Verhaltensweisen im Straßenverkehr relevant sind in der empirischen Wissenschaft verankert, in Beurteilungskriterien dokumentiert, und Grundlage für die Begutachtungspraxis von Fahrern mit Problemen.
Auch die so genannten subjektiven Verfahren Interview, Anamnese, Exploration werden kriterienorientiert durchgeführt (Kunkel, Steller, Köhnken, Undeutsch),

Vierter Programmpunkt:
Statistische Kennwerte aus repräsentativen Stichproben sollen die Effizienz psychologischer Praxis nachweisen

Eine Fülle von Daten liegen zum Effizienznachweis von verkehrspsychologischen Methoden und Interventionen vor.
Auch hier möchte ich nur einige nennen, die Rechtsrahmen für die Begutachtung von auffälligen Kraftfahrern zur Folge hatten und die Praxis der Rehabilitation von Kraftfahrern bestimmen und weiterentwickeln:

  • 1984 Stichprobe D Stephan
  • 1988 ALKOEVA Winkler, Jacobshagen, Nickel
  • 1996 EVAGUT Jacobshagen Utzelmann
  • 1997 NAFAEVA Jacobshagen
  • 2002 ANDREA EU Analyse

Ich weiß, dass über die Studie ANDREA berichtet wird. Ich möchte an dieser Stelle wegen der zukunftsorientierten Ergebnisse diese verkürzt darstellen.

Aufgabe des EU-Projektes war, die Wirkfaktoren der im europäischen Raum angewandten Rehabilitationskurse für Fahrer mit Problemen zu analysieren.

Bartl berichtet, dass Rehabilitationskurse nach dieser Evaluationsuntersuchung erfolgreich sind, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  1. die Programme müssen zielgruppenorientiert sein. (alt/jung, Alkohol/Punkte)
  2. Leiter müssen mit professioneller Kompetenz auch unmotivierte TN erreichen
  3. Methoden zur Selbstreflexion sind erfolgreicher als Informationen zum Thema
  4. Einstellungs- und mehr noch Verhaltensänderung brauchen Zeit
  5. Gruppengröße 10
  6. transparente und objektive Teilnehmerselektion und konsequnte polizeiliche Überwachung
  7. Qualitätssicherung durch staatliche Regelungen (Manual, Ausbildung,Evaluation)

Für Experten der etablierten Kurse in Deutschland nichts Neues. Bestätigt werden Hypothesen über wirksame psychologische Interventionen und die Bedeutung der konsequnten Überwachung des Verkehrsverhaltens (Belohnung/Strafe).

Für Anwender und Nutzer von Schulungskursen ist besonders bedeutsam, dass Evaluationsuntersuchungen Hinweise auf günstige und ungünstige Zuweisungsmerkmale zu verkehrspsychologischen Interventionen geben. So hat sich zum Beispiel in der NAFA-EVA-Studie gezeigt, dass Hochpromiller und ältere Fahranfänger von der Maßnahme nicht ausreichend erreicht werden. Noch ein weiterer Hinweis darauf, dass psychologische Interventionen zielgruppenspezifisch sein müssen und darüberhinaus auch hier, dass Moderatorenvariablen eine entscheidende Rolle für den Erfolg einer Intervention spielen.

Neben dem Effizienznachweis ist also mit den ermittelten Kennwerten auch die Verbesserung der Praxis verbunden.

Profil der Verkehrspsychologie

Spätestens hier müsste bei Hugo Münsterberg begonnen werden. Sie kennen ihn alle und seine Rolle und seine Verdienste. Ich spare mir daher heute diesen Exkurs.
Folgen wir besser den Kollegen, die bedauern, dass die Bestauslese (geeignete Fahrer, geeignetes Personal, wie Münsterberg) gefolgt von der Auslese ungeeigneter Verkehrsteilnehmer den Blick auf Verkehrsverhalten zu Lande, in der Luft und auf dem Wasser eingeengt hat. Das Thema ist heute vorrangig, unerwünschte Folgen von Verkehr zu vermeiden und nicht das System in dem Verkehr stattfindet zu analysieren und stetig zu optimieren.

Ingenieure konstruieren und bauen, Politiker regeln, Ärzte definieren, therapieren, Pädagogen lehren, Juristen steuern, Ordnungskräfte überwachen und Psychologen reparieren oder analysieren Schwerpunktthemen wie Verkehrssicherheit.

Wir Psychologen sind Präventionsspezialisten und hervorragende Berater. Für die Ökonomen, wir zahlen uns aus und mehr noch, helfen sparen. Für alle: Moralische Sonderrechtfertigungen für unsere Tätigkeit benötigt unsere Erfahrungswissenschaft nicht.

Verkehrspsychologinnen lösen Restprobleme der mobilen Gesellschaft zu lösen. Verkehrspsychologen arbeiten interdisziplinär. Sie haben Alleinvertretungsansprüche bei der Anwendung Ihrer Wissenschaft, nicht bei der Lösung aller gesellschaftlich relevanter Probleme.

Sie nehmen die Feststellung ernst, dass der Mensch technische Möglichkeiten begrenzt oder fördert. Sie wissen, dass sozialpsychologische und Persönlichkeitsfaktoren das Verhalten und Erleben und damit die Verarbeitung von Anforderungen, die die mobile Gesellschaft an Einzelne und Organisationen stellt entscheidend prägen.

Und Verkehrspsychologen wissen auch, dass die Politik die besondere Kompetenz der Psychologen anerkannt hat.

Kein anderer Beruf hat in den letzten Jahren so erfolgreich Rechtssicherheit in der Berufspraxis erreicht und damit auch die gesellschaftliche Anerkennung seiner Leistungen.

Das PsychThG ein Gesetz mehr schlecht als Recht, hat aber die Gleichstellung der approbierten Psychologen mit den Approbierten Ärzten erreicht. Es ist hier noch viel zu tun um die Existenz der psychologischen Psychotherapeuten zu sichern.

Für die Verkehrspsychologen ist der "Verkehrspsychologischer Berater" im Gesetz verankert worden (§4 Abs. 9 StVG in Verbindung mit § 71 FeV) ebenso wie sichergestellt wurde, dass besondere NS-Kurse von besonderen Kursleitern durchgeführt werden. Diese sind in § 70 der FeV beschrieben. Experten des eigenen Faches sprechen die Anerkennungen aus. Die Anerkennungsregeln sind fachlich begründet, ebenfalls durch Experten unseres Faches.

Hier hat die Politik die Bevölkerung geschützt vor selbsternannten Beratern und Psychotherapeuten, hat den Markt für Klienten und Behörden und Auftraggeber übersichtlich gemacht. Eine kluge Entscheidung! Wir wünschen uns mehr davon.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich drei Kollegen nennen, die den Weg geebnet haben für die heute hohe gesellschaftliche Anerkennung der Verkehrspsychologie. Nennen möchte ich Herrn Prof. Dr. Werner Winkler. Lieber Werner, unsere Disziplin hat es Dir zu verdanken, dass in diesem frühen Stadium in den 70er Jahren, sich die DI-Maßnahmen in Deutschland etabliert haben. Persönliche und fachliche Kompetenz und eine unendliche Beharrlichkeit in der Zielverfolgung hast Du eingebracht und uns Psychologen Respekt.

Danke!

Es wäre an dieser Stelle unverzeihlich, wenn ich nicht auch Dr. Spoerer und Kollegen danke. Ihr Schulungsmodell, weitere Modelle folgten, haben es den Politikern erleichtert die Einführung von DI-Maßnahmen über eine Modellphase zu beschießen, mit der Auflage Evaluationsuntersuchungen durchzuführen, um die Frage der Effizienz der DI Maßnahmen zu klären. Heute profitieren Kraftfahrer, wie Psychologen und schließlich auch die Fahrlehrer von der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Interventionsmodellen, sein sie nun präventiv oder rehabilitativ.

Prof. Günter Kroj ist der Initiator des "Psychologischen Gutachtens Kraftfahreignung". Den Mut unsere wissenschaftlichen Expertisen zu veröffentlichen, hatte vor Dir niemand in unserem Fach. Die Ärzte haben lange das Gutachten "Krankheit und Kraftverkehr" zur Grundlage Ihres Handelns gemacht. Es war ein steiniger Weg bis zur Zusammenführung der psychologischen und medizinischen Kenntnisse in einem Gutachten. Jetzt haben wir medizinisch-psychologische Begutachtungsleitlinien, Leitlinien unseres Expertentums als Prognostiker.

Ja, heute werden wir Gutachter daran gemessen, wenn der Auditor die Gutachten auditiert - auch das ist gesetzlich geregelt - oder der jeweilige Fachreferent des Unternehmens.

Mit der Deregulierung wurde die postgraduierte Fortbildung "Fachpsychologe Verkehrspsychologie" etabliert. Die Anerkennung spricht die Sektion aus. Es ist damit eine hohe Transparenz unserer besonderen Qualifikation gewährleistet. Die Curricula finden Sie im Internet bdp-verband.org und dann Sektion Verkehrspsychologie.

Standardisierung der Verfahren, Evaluation der Interventionen, Kriterienanalysen, Einzelfallanalysen, Leitlinien und die fortwährende Verbesserung der beruflichen Praxis durch geregelte Fortbildungspflicht objektivieren unsere berufliche Tätigkeit.

Eine Bemerkung am Rande: für Psychologinnen ist aber auch klar: Menschen lernen durch Überlegungen, ein gründliches Problemverständnis, viele aus dem Leben und manche nicht. Individuen finden immer wieder eigene Aufgabenlösungen, die nicht in gängige Beurteilungsmatrixen passen. Expertisen müssten eigentlich die Abweichungen vom System begründen. Es soll Psychologen geben, die diese scheuen und darum im System argumentieren. Auch dieses Phänomen könnte Forschungsgegenstand sein.

Folgt man Giddens (1995) so ist unter Proffesionalisierung eines akademischen Berufes neben der Verwissenschaftlichung, die innere Ausdifferenzierung, Arbeitsteilung, Institutionalisierung und Ausbildung von Expertenrollen zu verstehen.

Verkehrspsychologie ist einem weit entwickelten Prozess der Professionalisierung.

Verkehrspsychologen

  • sind wissenschaftlich ausgebildet
  • angewandte Forschung,aber weiter auch Grundlagenforschung entwickeln das Fach weiter
  • Curriculare Fortbildung ist Grundlage der Spezialisierung
  • Rechtliche Absicherung der Tätigkeit ist im Gesetz und in Verordnungen erfolgt.
  • Verkehrspsychologinnen arbeiten in Organisationen, Institutionen, Forschungseinrichtungen interdisziplinär
  • Sie sind angestellt und/oder freiberuflich tätig. Arbeitgeber sind neben privaten Organisationen auch die BAST, die Bundesanstalt für Flugsicherung und sehr vereinzelt die Automobil-, die Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie.
  • Zertifizierung und Akkreditierung der Tätigkeit ist in wesentlichen Teilbereichen erfolgt und erfolgt weiter
  • Vernetzung in der europäischen und internationalen Verkehrspsychologies
  • analysieren, forschen, beraten, diagnostizieren, evaluieren, intervenieren, therapieren,

Experten des eigenen Faches erkennen an, zertifizieren und akkreditieren.

Zum Profil gehört auch, dass Straßen-Psychologen die Verkehrspsychologie dominieren. Das riesige Verkehrsaufkommen im Luftraum, auf der Schiene, auf dem Wasser bildet sich fachlich interessant und mit vielen Ergebnissen aus der empirischen Wissenschaft auf den meisten Kongressen ab. Die Verkehrsprobleme zu Lande überrollen aber jede Analyse und fachliche Diskussion.

IV Visionen

Sie wissen, Zukunft ist auch nicht mehr das was sie war.

Uns Verkehrspsychologinnen sollte diese lapidare Feststellung Ansporn sein.

Es ist noch viel zu tun bis die Gesellschaft den Nutzen unseres Faches

umfänglich erkennt und benutzt.

Ich gehe davon aus, dass Verkehrspsychologen zukünftig:

  • bei Verkehrsplanungen in Städten und Gemeinden regelmäßig beteiligt werden.
    Wir sind unentbehrliche Experten, ist doch Erfahrungswissen, dass Ingenieure einen Verkehrsweg nach allen Regeln ihres Faches 100% unfallsicher planen. Ein Unfall passiert. Kommentar: Da kann man nichts machen, der Unfall hat rein psychologische Gründe. Dann werden geregelt Psychologen hinzugezogen, um den Fahrer zu untersuchen, selten die Verkehrsplanung. Das ist Operation am falschen Patienten mit falschen Methoden.
  • zusammen mit Verkehrspädagogen und Organisationen, Ausbildungsfragen verschiedener Zielgruppen klären und gemeinsam bearbeiten
  • Train the Trainer-Programme entwickeln und vermitteln
  • die Wissenschaft für relevante Praxisfelder interessieren können
  • Fragen der Lebensqualität in Verkehrsräumen im politischen Auftrag federführend analysieren und systematisch klären
  • Interventionen weiter differenzieren und einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit leisten.
    Konfrontationen mit der Fehlverarbeitung von Konfliktsituationen durch Drogenkonsum in einem Begutachtungsgespräch in einem Beratungsgespräch in Gruppeninterventionen leisten einen entscheidenden Beitrag zur Rehabilitation und zur Gesundheit.
  • Akzeptanzprobleme der Verkehrsmittelwahl lösen
  • dafür sorgen, dass Begutachtung und Intervention in Deutschland und Europa weiter etabliert wird

Die Liste ist nicht vollständig. Lassen Sie mich aber hier schließen und Gedanken zur Frage: Was ist zu tun um die Etabierung verkehrspsychologischen Kow hows umfassend d.h. gemäß unserer Kompetenz zu etablieren ?

  1. Das Profil der modernen wissenschaftlichen Verkehrspsychologie vertreten
  2. Transparenz der Forschungergebnisse gewährleisten
  3. National und international eine professionelle Lobbyarbeit machen.

Experten unseres Faches sind gefordert immer wieder den Nutzen unseres Faches zu vermarkten und die Erfolge pointieren ohne die noch zu lösenden Probleme unter den Tisch zu kehren. Wir Psychologen sind Kinder unserer Zeit und in die Zeit gehört, dass sich der Mensch in freier Weise ein Bild von sich selbst macht und dieses selbstbewusst vertritt.

Zukünftigen Kongressorganisatoren möchte ich empfehlen, da es sich hier um einen Kongress der Angewandten Psychologie handelt, thematische Schwerpunkte zu setzen, die nach außen und nach innen Transparenz der modernen psychologischen Forschung gewährleisten und Verkehrsmittelwahl unabhängige Themen behandeln (z.B. interdisziplinäre Projekte, Diagnostik, Leistungsanalysen, Anforderungsprofile, Prozessanalysen)

Berufsverbände in Europa, sollten im Schulterschluss handeln und sich auf Ihre Aufgabe konzentrieren, Angebote für Problemlösungen gesellschaftlich relevanter Probleme zu machen. Und so auch Arbeitsplätze für Verkehrspsychologen.

Verkehrspsychologie bewegt Zukunft

Eine Bemerkung und ein wichtiger Aspekt zur Zukunft:

Nicht erst seit der Äußerung von Altbundeskanzler Kohl, jedenfalls wird ihm diese Äußerung zugeschrieben: Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen großen Schritt weiter ! wurde anschaulich, Bewegung kann also auch Schaden anrichten.

Ich wünsche diesem Kongress, dass er Zukunft gestaltet, positive Impulse setzt, Tätigkeitsfelder absichert und neue entwickelt. Die Etabierung wird folgen.

Der Aspekt:

Unsere Zukunft, besonders in Europa, liegt weiter in unseren Kindern. Ihren Lebensraum zu sichern ist auch und oft dominierend eine Aufgabe der Verkehrspsychologinnen.

Sichern sie Ihre Gesundheit und Kompetenz, indem Sie maßvoll aber zielsicher mit den Inhalten des Kongresses umgehen und sich auch Zeit lassen, das schöne Regensburg zu erkunden.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.