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Schwerpunkt: Leistungen für Mitglieder

Aus: Report Psychologie 6/03

Die schwierige finanzielle Situation des Gesamtverbandes betrifft auch die Sektion Verkehrspsychologie. Auf der Haushaltskonferenz am 7.3.2003 in Göttingen mussten wir wie alle anderen Untergliederungen eine pauschalisierte 70%ige Kürzung der beantragten Projektmittel hinnehmen. Angesichts der Fülle der anstehenden Aufgaben sind wir gezwungen, eine Reihe wünschenswerter Vorhaben nicht oder nur in minimalem Umfang zu realisieren. Dazu gehören u.a. die Angleichung der Internetpräsenz www.bdp-verkehr.de an das Layout des Gesamtverbandes, die Vorbereitung der Evaluation unserer gesetzlich verankerten Dienstleistung Verkehrspsychologische Beratung, Stellungnahme zu den geplanten gesetzlichen Veränderungen für Fahranfänger, Einholen einer rechtlichen Stellungnahme zur Mehrwertsteuerpflicht und Verstärkung der europäischen Zusammenarbeit.
Wir haben uns stattdessen entschlossen, vor allem die Dienstleistungen voranzutreiben oder aufzubauen, von denen die Mitglieder unserer Sektion und Verkehrspsychologen insgesamt unmittelbar profitieren. Damit ergeben sich drei Schwerpunkte für das zweite Halbjahr:

1. Wir bereiten die Revision 6 des Leitfadens für die Verkehrspsychologische Beratung nach § 4, Abs. 9 des Straßenverkehrsgesetzes vor. Dabei geht es 1. um die Anpassung an veränderte gesetzliche Bestimmungen, 2. um die formale Absicherung der bereits praktizierten Vereinfachung beim Fortbildungsnachweis und 3. um die Erleichterung der Handhabung durch die Verkehrspsychologischen Berater (Flexibilisierung und Präzisierung des Zeitrahmens, Überarbeitung der Vertragsvorlage und der Dokumentation etc.). Die veränderte Fassung wird voraussichtlich nach den Sommerferien vorliegen und dann sowohl auf unserer Internetseite veröffentlicht, als auch leitfadenkonform allen amtlich anerkannten Beratern zur Verfügung gestellt.

2. Wir haben begonnen, eine Liste aller Fachpsychologinnen und Fachpsychologen für Verkehrspsychologie (BDP) im Internet zu veröffentlichen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen konnten nur die Kolleginnen und Kollegen aufgenommen werden, die einer Veröffentlichung ausdrücklich zugestimmt haben. Wer den Titel besitzt und noch aufgenommen werden möchte, wende sich bitte an die Deutsche Psychologen Akademie, da diese die Anerkennung und Registerführung organisatorisch abwickelt, das Gleiche gilt für Adressenänderungen etc. Mittelfristig wollen wir als Sektion eine stärkere Vermarktung dieses Titels durch Mailing-Aktionen, Anschreiben potenzieller Kunden verkehrspsychologischer Dienstleistungen, Erstellen einer Broschüre etc. erreichen. Damit soll eine weitere Marktdurchdringung erreicht und verdeutlicht werden, dass qualifizierte Anbieter verkehrspsychologischer Dienstleistungen an diesem vom Berufsverband verliehenen Titel zu erkennen sind.

3. Wir sind dabei, in einem zentralen Bereich verkehrspsychologischer Dienstleistungen eine Art Gütesiegel zu entwickeln. Dies ist ein wichtiges neues Projekt der Sektion in diesem Jahr. Es geht darum, im Arbeitsfeld der Beratung vor oder nach einer Fahreignungsuntersuchung abzusichern, dass solche Beratung nur von seriösen und qualifizierten Anbietern erbracht wird bzw. konkret darum, dass von Straßenverkehrsämtern und anderen Stellen nur solche Anbieter empfohlen werden, die bestimmten Qualitätsstandards entsprechen. In diesem Arbeitsfeld arbeiten nicht nur unzureichend ausgebildete und der Qualität ihrer Arbeit schwer zu beurteilende Diplom-Psychologen, sondern das Arbeitsfeld wird zunehmend von Nicht-Psychologen bedroht. Zunehmend drängen sich staatliche subventionierte Suchtberatungsstellen, Sozialpädagogen, Ärzte etc. in diesen Bereich. Wir sehen hier sowohl die Chance als auch die Notwendigkeit, die Sektion als die bundesweite Organisation zu profilieren, die in diesem Bereich die Definitionsmacht besitzt, wer ein seriöser Anbieter ist. Dieses erfordert allerdings einen erheblichen finanziellen und arbeitsmäßigen Aufwand. Bisher haben wir einen Kriterienkatalog entwickelt und operationalisiert, das Prüfverfahren in den Grundzügen festgelegt und einen Brief an die entsprechenden Ämter entworfen. Wenn dieser Report Psychologie erscheint, sind hoffentlich die ersten Briefe und möglicherweise Reaktionen schon erfolgt; wir werden weiter über die Fortschritte berichten.
Wir halten dieses Projekt für zentral, um die Definitionsmacht der Sektion Verkehrspsychologie und des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen insgesamt zu stärken.
Drei gute Gründe also (neben vielen anderen), um Mitglied der Sektion Verkehrspsychologie zu bleiben oder zu werden – wir bitten alle bisherigen Mitglieder und alle Interessierten dringend, ihre Mitgliedschaft in der Sektion Verkehrspsychologie als Primärsektion spätestens bis zum 30. Juni zu erklären!

Bilanz sieben erfolgreicher Jahre
Die erfolgreiche Arbeit des AK Klinische Verkehrspsychologen geht nun in das siebte Jahr und auch weiterhin bleibt das Anliegen, das zu seiner Gründung geführt hat, aktuell: der ständige Meinungsund Erfahrungsaustausch zwischen Förderern und Begutachtern der Fahreignung. Die nächste Arbeitskreissitzung wird am 12. Juli 2003 stattfinden. Wir nehmen dies zum Anlass, auf die bisherige Arbeit zurückzublicken.
Auf der Mitgliederversammlung der Sektion Verkehrspsychologie am 18.9.1996 in Dresden wurde folgender Antrag gestellt: »Die MV beauftragt den Vorstand der Sektion, die Gründung eines bundesweiten Arbeitskreises Klinische Verkehrspsychologen mit dem Ziel zu unterstützen, den ständigen Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen Förderern und Begutachtern der Fahreignung zu ermöglichen. « Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Die Konstituierung des Arbeitskreises fand am 15.2.1997 in Nürnberg statt. Im Mittelpunkt stand die kollegiale Diskussion mit den Schwerpunkten

  • Grundsätze der verkehrspsychologischen Arbeit,
  • Verkehrspsychologischer Berater,
  • Fragen der Weiterbildung,
  • Trennung von Therapie/Nachschulung und Begutachtung,
  • Markt- und Kundenorientierung.

Die zweite Sitzung fand am 11.10.1997 in Karlsruhe statt. Dabei ging es vor allem um die berufspolitischen und berufsethischen Leitsätze – die Selbstverständnis-Erklärung. Am 28.3.1998 in Bayreuth wurde die Selbstverständnis-Erklärung schließlich mit überwältigender Mehrheit verabschiedet. Auch das Thema der Verkehrspsychologischen Beratung nach dem § 71 der Fahrerlaubnisverordnung wurde ausführlich diskutiert.
In Dresden (8.5.1999) konnte auf den erfolgreichen Verlauf des Verkehrspsychologischen Kongresses in Braunschweig zurückgeblickt werden. Darüber hinaus wurde von Gertraud Richardt ein Referat über die berufspolitische Situation der Verkehrspsychologen gehalten. Zudem konnten erste Erfahrungen zur Verkehrspsychologischen Beratung § 71 ausgetauscht werden.
Die fünfte Sitzung in Düsseldorf am 13.11.1999 stand unter dem Thema: Die Zusammenarbeit von Begutachtern und Förderern der Fahreignung – Erfahrungen und Erwartungen.
In Berlin am 13.5.2000 standen die Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung im Mittelpunkt: Die Entstehung der Begutachtungs-Leitlinien und ihre Bedeutung/Begutachtungs-Leitlinien Alkohol – Ein Paradigmenwechsel für Begutachter und Förderer der Fahreignung. Die Fortsetzung zu dem Thema Begutachtungs-Leitlinien fand am 25.11.2000 (Frankfurt) statt. Eignungszweifel im Hinblick auf Betäubungsmittel und Arzneimittel: Die Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung und die neueste Rechtsprechung.
Die achte Sitzung des Arbeitskreises am 22.9.2001 in Regensburg beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit der Zukunft der Klinischen Verkehrspsychologie: Kooperation in der Konkurrenz.
In Hamburg wurde am 8.6.2002 zum Kommentar zu den Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung referiert und diskutiert. Am 16.11.2002 in Göttingen lautete das Thema: Sind Begutachter und Förderer der Fahreignung hinsichtlich Empfehlungen bzw. Bewertungen von Maßnahmen vor oder nach einer Begutachtung noch deckungsgleich?
Eingeladen werden die Mitglieder des Arbeitskreises zu den Sitzungen jeweils vier Wochen vor dem Termin. Interessenten wenden sich bitte an Doris Stengl-Herrmann, Mühltalstr. 11, 90766 Fürth, F 0911/97793593, Doris.Stengl-Herrmann@pluspunkt-gmbh.de.

Die Leitung des AK
Doris Stengl-Herrmann, Dr. Bernd Rothenberger, Ulli Höckendorf