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Beratung § 71
Verkehrspsychologie
Psychologie für alle
Beruf Psychologe
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Selbstdarstellung der Sektion

Menschen bewegen Menschen

Verkehr ist ein gesellschaftlicher Lebensbereich, von dem Menschen tagtäglich betroffen sind, der aber selten als Arbeitsfeld von Psychologen wahrgenommen wird. Immer noch wird Verkehr als der Transport von Gütern durch Maschinen betrachtet, weniger als eine gemeinsame Handlung von Menschen. Als ein solches Interaktionsfeld von handelnden Personen ist er aber ein genuines Arbeitsfeld von Psychologen. Dies hat sich in den letzten Jahren als Erkenntnis immer stärker durchgesetzt und findet seinen Ausdruck in einer gestiegenen gesellschaftlichen Akzeptanz der Arbeit von Verkehrspsychologen in verschiedenen Tätigkeitsfeldern. Verkehrspsychologen arbeiten daran, Transport- und Verkehrssysteme sicherer, umweltverträglicher und wirtschaftlicher zu gestalten, insbesondere durch:

  • Mitarbeit bei der Entwicklung neuer Verkehrssysteme
  • Begutachtung verkehrsauffälliger Kraftfahrer
  • Nachschulungskurse und Beratungen für ungeeignete Kraftfahrer
  • Freiwillige Maßnahmen der Rehabilitation, Beratung und Therapie
  • Konzeption und Umsetzung von Sicherheitskampagnen und gesetzlichen Bestimmungen
  • Forschung zu Verkehrsfragen
  • Mitarbeit bei städtebaulichen Planungen
  • Beratung von Juristen, Beamten, Ingenieuren, Polizisten etc. bei interdisziplinären Fragen.

Rechtliche Verankerung:

Die Sektion Verkehrspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) ist der Zusammenschluss von Verkehrspsychologen aus diesen Arbeitsfeldern zur Vertretung gemeinsamer Interessen und Anliegen. Dass einzelne Arbeitsfelder in den letzten Jahren z.T. auch rechtlich verankert worden sind, ist dieser gemeinsamen, fachlich fundierten Vertretung zu verdanken. So sind Verkehrspsychologen neben den Psychologischen Psychotherapeuten die zweite psychologische Berufsgruppe, die in einem deutschen Gesetz genannt sind.

§ 4 StVG, Absatz 9:

In der verkehrspsychologischen Beratung soll der Fahrerlaubnisinhaber veranlaßt werden, Mängel in seiner Einstellung zum Straßenverkehr und im verkehrssicheren Verhalten zu erkennen und die Bereitschaft entwickeln, diese Mängel abzubauen. ... Die Beratung darf nur von einer Person durchgeführt werden, die hierfür amtlich anerkannt ist und folgende Voraussetzungen erfüllt:

    1. persönliche Zuverlässigkeit,
    2. Abschluss eines Hochschulstudiums als Diplom-Psychologe,
    3. Nachweis einer Ausbildung und von Erfahrungen in der Verkehrspsychologie nach näherer Bestimmung durch Rechtsverordnung ...

Dabei ist es gelungen, die Überprüfung der Qualifikation eng an den Berufsverband der Psychologinnen und Psychologen zu koppeln. In der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) wird zu den Voraussetzungen der Anerkennung zum Verkehrspsychologischen Berater (dessen Tätigkeit einen Punkteabzug im Rahmen des Flensburger Verkehrszentralregisters zu Folge haben kann) im § 71 FeV u.a. ausgeführt:

(1) Für die Durchführung der verkehrspsychologischen Beratung nach § 4 Abs. 9 des Straßenverkehrsgesetzes gelten die Personen im Sinne dieser Vorschrift als amtlich anerkannt, die eine Bestätigung nach Abs. 2 der Sektion Verkehrspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. besitzen.

Die Sektion Verkehrspsychologie hatte an dieser gesetzlichen Verankerung des Arbeitsfeldes maßgeblichen Anteil. Aufgrund der seit vielen Jahren rechtlichen abgesicherten erfolgreichen Tätigkeit im Fahrerlaubniswesen ist es unserer Berufsgruppe gelungen, die Gesetzgeber davon zu überzeugen, der Sektion quasi die Organisation eines neuen Berufsfeldes zu überlassen. Dass dieses Vertrauen gerechtfertigt war, zeigt die Tatsache, dass es nach dem endgültigen Vorliegen des Gesetzestextes innerhalb weniger Monate bis zum Inkrafttreten der neuen Fahrerlaubnis-Verordnung zum 01.01.99 nicht nur gelang, Ausführungsbestimmungen für die Ausbildung, Anerkennung und Durchführung der Verkehrspsychologischen Beratung zu beschließen, sondern auch die Ausbildung und Anerkennung von Verkehrspsychologischen Beratern soweit abzuschließen, dass ein nahezu flächendeckendes Angebot zur Verfügung stand.

Die zunehmende Notwendigkeit, die Qualifikation für verkehrspsychologische Tätigkeiten verschiedenen Auftraggebern deutlich zu machen und die gestiegene Anforderung an qualitätsgesicherte Organisation von Aufgaben führte darüber hinaus auch zur Etablierung des "Fachpsychologen für Verkehrspsychologie BDP". Diese vom Gesamtverband beschlossene Fortbildungs-Angebot in Form eines Currriculums qualifiziert aufgrund eines breiten und interdiszplinär angelegten Angebotes für verschiedene Aufgaben im Bereich der Verkehrspsychologie.

Anhand des Curriculums lassen sich sowohl die als Querschnittsqualifikation in allen Anwendungsbereichen erforderlichen Basis-Qualifikationen als auch konkrete Anwendungsfelder veranschaulichen:

Zur Geschichte der Verkehrspsychologie

Die Wurzeln der Verkehrspsychologie liegen in Deutschland. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts beschäftigten Verkehrspsychologen sich mit der Auswahl von Straßenbahnfahrern und Lokomotivführern, ab 1915 zunehmend auch systematisch mit anderen Fahrzeugführern. In der Bundesrepublik lag der Schwerpunkt der Arbeit nach dem 2. Weltkrieg vor allem in der Begutachtung von kriegesbeschädigten Kraftfahrern im Sinne einer Überprüfung von Leistungseinschränkungen und Kompensationsmöglichkeiten. Dies weitete sich dann zur Überprüfung von verhaltensbedingten und "charakterlichen" Eignungszweifeln aus, z.B. aufgrund von Verkehrsverstößen mit und ohne Alkohol. Seit Mitte der 70er Jahre etablierte sich dann als zusätzliches Arbeitsfeld die Nachschulung und Rehabilitation von als ungeeignet diagnostizierten Kraftfahrern. Nachdem dies anfangs vor allem in Form von standardisierten Gruppenprogrammen geschah, etablierte sich mit Beginn der 90er Jahre eine eigenständige Richtung einer "klinischen Verkehrspsychologie", die mit eher psychotherapeutischen Mitteln vor allem in Einzelgesprächen mit verkehrsauffälligen Kraftfahrern (z.T. auch Piloten) arbeitet. Die Sektion reagierte darauf mit der Einrichtung eines eigenen Arbeitskreises "Klinischen Verkehrspsychologie", der u.a. eine Selbstverständniserklärung für diesen Bereich erarbeitete.

Im Gegensatz zu den skizzierten Hauptarbeitsfeldern entwickelte sich der Bereich der universitären Forschung eher diskontinuierlich. In den letzten Jahren fand eine kontinuierliche und organisierte Ausbildung in Verkehrspsychologie an den Universitäten nicht statt; Forschung wurde eher über die Bundesanstalt für Straßenwesen als über Hochschul-Institute organisiert. Da im Jahre 2000 eine Fachgruppe Verkehrspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie gegründet wurde, besteht Hoffnung, dass auch der universitäre Zweig der Verkehrspsychologie wieder an Bedeutung gewinnt.

Curriculum Verkehrspsychologie

Allgemeine Grundlagen des Verkehrsverhaltens im Curriculum und speziell in der interdisziplinären Zusammenarbeit sind Fragen der Informationsverarbeitung, der Wahrnehmung, Leistungsfaktoren, Kommunikations- und Motivations-Prozessen im Verkehr, also der Anwendung allgemeiner psychologischer Erkenntnisse auf konkrete Aufgabenstellungen. Dazu gehört auch das Rüstzeug allgemeiner methodischer, statistischer und epidemiologischer Instrumente für die Untersuchung des Systems Verkehr. Eine besonderen Schwerpunkt bilden die rechtlichen Rahmenbedingungen der Arbeit von Verkehrspsychologen, die in besonderem Maße sowohl in strafrechtliche, aber vor allem verwaltungsrechtliche Vorschriften eingebunden sind. Eine weitere Basis der konkreten Arbeit bilden die Eignungsdiagnostik und speziell für diesen Bereich die Anforderungen an Qualitätsmanagement-Systeme, die im Anforderungskatalog der Akkreditierungsstelle bei der Bundesanstalt für Straßenwesen niedergelegt sind
(vgl. www.bast.de).

Die wesentlichen Anwendungsbereiche, die im Curriculum Verkehrspsychologie genannt sind, spiegeln die jetzige und zukünftigen Arbeitsschwerpunkte von Verkehrspsychologen wider:

Verkehrsanlagenbezogene Verkehrspsychologie: Hier sind als Arbeitsfelder beispielsweise zu nennen die Gestaltung von Verkehrszeichen, Wegweisungen, Straßenführungen etc. unter wahrnehmungspsychologischen Gesichtspunkten.

Pädagogische Verkehrspsychologie beschäftigt sich mit dem Lernen von verkehrsbezogenen Verhaltensweisen zu unterschiedlichen Zeitpunkten: Wie nehmen Kinder den Verkehr wahr, wie lernen sie, sich im Verkehr zu bewegen, welche Risiken gehen sie auf dem Schulweg ein, welche Art von Fahrausbildung ist optimal, wie werden Prüfungen gestaltet, wie kann Verkehrsverhalten von erfahrenen Fahrern beeinflusst werden? Leitthema hier ist es, die Verkehrssicherheit auf der Anwenderseite zu optimieren, einschließlich der Konzeption von Sicherheits- und Umweltkampagnen.

Mobilitäts- und Planungsberatung: In diesem jungen Arbeitsgebiet geht es vor allem um das Spannungsfeld von Umwelt und Mobilität: Wonach wählen Menschen ihr Verkehrsmittel, wie kann diese Wahl beeinflusst werden, wie müssen Verkehrsräume auf der Ebene des Hauses, der Straße, des Quartiers, der Stadt insgesamt gestaltet werden? Gerade hier ist es notwendig, psychologische Erkenntnisse in traditionell technisch und juristisch geprägte Planungsabläufe einzubringen.

Fahrzeuggestaltung: Sowohl der Bereich der Ergonomie (Bedienungsfreundlichkeit) als auch der Ästhetik (wie werden Fahrzeugelemente wahrgenommen) gewinnen mit wachsenden technischen Möglichkeiten an Bedeutung, nicht nur im Automobilbau, sondern auch im Bereich des Flugverkehrs, der Schiffahrt und der Eisenbahn. Die Ausdehnung verkehrspsychologischer Gesichtspunkte gerade auf diese Verkehrssysteme war ein wichtiges Anliegen des bislang weltweit größten verkehrspsychologischen Kongresse, der 1998 in Braunschweig stattfand.

Fahreignungsdiagnostik: In den Begutachtungsstellen für Fahreignung arbeitet der größte Teil der Verkehrspsychologen in Deutschland; hier genießen wir auch europaweit große Anerkennung. Entsprechend umfangreich sind die Ausbildungspunkte im Curriculum. Behandelt werden:

  • Der in ständiger Veränderung begriffene Rechtsrahmen für die Untersuchung (Eignungszweifel, Anforderungen an das Gutachten, Stellung eines Sachverständigen, Anerkennungsvoraussetzungen)
  • Verkehrsmedizinische Grundlagen (eignungsausschließende Krankheiten, Labordiagnostik, Drogenwirkung)
  • Eignungsdiagnostische Methoden (Anamnese, Leistungstest, Aktenbefunde, Glaubwürdigkeit)
  • Problembereiche Alkohol, Drogen, Medikamente (Pharmakinetik, Nachweise, Dosis-Wirkungsbeziehungen, Auswirkungen auf das Fahrerverhalten, Konsummotive und Suchttheorien, Abwägung von kontrolliertem Trinken und Abstinenz, Verlaufskontrolle, Prognosemerkmale, biographische Hintergründe)
  • Spezielle Problembereiche bei Verkehrsauffälligen ohne Alkohol/Drogen wie risikoreicher Fahrstil, Wahrnehmung von Zeitgewinnen, gruppenspezifische Normen, kulturelle Determinanten, Krankheiten, Prüfungsversagen, besondere Anforderungen bei Personenbeförderung etc.
  • Gutachtenerstellung und Qualitätssicherung sowohl unter formalen (Form, Aufbau, DIN-Normen) als auch inhaltlichen Gesichtspunkten (Verständlichkeit, Kundenorientierung, Supervision)

Klinische Verkehrspsychologie

Dieser Arbeitsbereich hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen und wird unter unterschiedlichen Gesichtspunkte sowohl im Curriculum behandelt als auch in der praktischen Arbeit von Verkehrspsychologen umgesetzt: Es gibt sowohl Gruppenmaßnahmen, die z.T. als standardisierte und evaluierte Modelle Rechtsfolgen haben, als auch individuelle Einzelmaßnahmen. Spezifische Gesichtspunkte in Abgrenzung von Selbsthilfegruppen (die Teilnahme erfolgt in der Regel nicht aus Einsicht, sondern unter behördlichem Druck) und zu kassenfinanzierter Psychotherapie (Maßnahmen zur Wiederherstellung der Fahreignung sind keine Leistungen des Gesundheitswesens) sind zu beachten und der Erfolg der Arbeit an harten Kriterien wie der Legalbewährung zu überprüfen.

Verkehrspsychologen verbessern also an sehr unterschiedlichen Stellen und mit sehr unterschiedlichen Methoden Verkehrssicherheit und Umweltverträglichkeit des Verkehrs. Das Arbeitsgebiet hängt dabei in besonderem Maße von gesetzlichen, gesellschaftlichen und auch technischen Rahmenbedingungen und deren Veränderung ab. Aus diesem Grund ist eine kontinuierliche Weiterbildung unerlässlich und auch im Curriculum als Pflicht verankert. Damit haben Auftragnehmer, seien es Behörden, Untersuchte, Klienten oder Angehörige kooperierender Berufsgruppen die Gewissheit, dass ein "Fachpsychologe für Verkehrspsychologie BDP" über ein aktuelles Wissen und hohe Kompetenz verfügt.

Zudem sind Mitglieder der Sektion wichtigen berufsethischen Grundsätzen verpflichtet. Dazu gehört nicht nur die gesetzlich definierte Schweigepflicht nach § 203 des Strafgesetzbuches, sondern auch die Berufsordnung für Psychologen, auf die alle BDP-Mitglieder verpflichtet sind. Darüber hinaus hat die Selbstverständniserklärung des AK Klinische Verkehrspsychologie eine zunehmende Bedeutung erhalten.

Aufgaben der Sektion nach der Geschäftsordnung

Die Sektion hat laut Geschäftsordnung wissenschaftliche, berufspolitische und -rechtliche Sonderaufgaben der Verkehrspsychologen im BDP zu pflegen und zu erfüllen. Diese Aufgaben verwirklicht sie insbesondere durch

  • Veranstaltung von Fachkongressen, alle zwei Jahre, traditionell zusammen mit den Verkehrspsychologen aus Österreich und der Schweiz,
  • Mitwirkung bei der Regelung der verkehrspsychologischen Aus-, Fort- und Weiterbildung,
  • Öffentlichkeitsarbeit zu berufs- und -fachrelevanten Fragen,
  • Publikation von Tagungs- und Kongreßberichten,
  • Förderung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung verkehrspsychologischer Tätigkeit,
  • Sicherung der verkehrspsychologischen Tätigkeitsfelder,
  • Verhinderung des Mißbrauchs verkehrspsychologischer Untersuchungs- und Arbeitsverfahren,
  • Erschließung neuer Tätigkeitsfelder,
  • Anwendungsbezogene Forschung und Lehre,
  • Bereitstellung von Experten bei verkehrsrelevanten Fragestellungen,
  • Fortentwicklung des Berufsrechtes und der Arbeitsbedingungen,
  • Erfahrungsaustausch mit Angehörigen benachbarter Arbeitsgebiete,
  • Herausgabe von Arbeitshilfen, Empfehlungen und Richtlinien für die praktische Arbeit.

Die Sektion pflegt den kollegialen Zusammenhalt ihrer Mitglieder, sie hält Verbindung zu den für den Bereich des Verkehrswesens maßgeblichen Regierungsstellen, Behörden, Parteien, Organisationen, Hochschulen, wissenschaftlichen Instituten und Verbänden und unterstützt Aktivitäten, die der rechtlichen Anerkennung und Absicherung verkehrspsychologischer Tätigkeitsfelder dienen.
Mitglied kann werden, wer Mitglied des BDP ist und in Praxis, Forschung oder Lehre auf dem Gebiet der Verkehrspsychologie tätig ist oder war.